Ein Kunsttag in Baden-Baden:
Simon Hantaï im Museum Frieder Burda und „Bloom up!" in der Kunsthalle
Moderne Kunst finde ich nicht immer eingängig. Ich kenne mich selbst nicht perfekt aus, und manchmal stehe ich vor einem Bild und frage mich, was es mir sagen will. In der Ausstellung „Entfaltung der Farbe" im Museum Frieder Burda war das anders.
Ich war mit meinem Mann und unserem Sohn Johannes dort, und wir haben alle drei sofort verstanden, worum es geht. Das gelang uns schon, bevor wir die Erklärungen an der Wand gelesen hatten. Das finde ich das Schönste an dieser Ausstellung: Sie spricht jeden an, auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
Gleich nebenan, in der Staatlichen Kunsthalle, zeigt „Bloom up! Die Sprache der Blumen" die Blume in der Kunst, von einer Streitaxt aus dem 17. Jahrhundert bis zu Blüten, die meterbreit unter der Decke schweben.
Die beiden Ausstellungen könnten kaum unterschiedlicher sein, und trotzdem harmonieren sie besonders gut. Beide laufen bis zum 10. Januar 2027. Wenn Sie beide besuchen und dazwischen im Café der Kunsthalle eine Pause machen, wird daraus ein ganzer Kunsttag, zu zweit genauso wie mit Kindern.
Was erwartet Sie in der Hantaï-Ausstellung?
Das Museum Frieder Burda zeigt bis zum 10. Januar 2027 über 40 Werke von Simon Hantaï aus vier Jahrzehnten, viele davon großformatig. Es ist die erste große Hantaï-Ausstellung im deutschsprachigen Raum seit fast drei Jahrzehnten.
Simon Hantaï (1922–2008) gilt als einer der wichtigsten Künstler der Nachkriegsmoderne. Er stammte aus Ungarn und ging 1948 nach Paris. Viele Bilder der Ausstellung kommen aus großen französischen Häusern, unter anderem aus der Fondation Louis Vuitton und dem Musée d'art moderne de Paris.
Die Werke hängen auf drei Etagen in dem hellen Bau des Architekten Richard Meier. Statt Treppen führen Rampen von Ebene zu Ebene, mit weiten Lufträumen und Durchblicken. So gehen Sie entspannt von Bild zu Bild, auch mit dem Kinderwagen.
Wie aus einer Schürze ein Gemälde wird
Hantaïs bekannte Faltbilder gehen auf eine Kindheitserinnerung zurück: die gebügelte Schürze seiner Mutter. Ab 1960 faltete er seine Leinwände, bemalte sie und klappte sie wieder auf. Wo die Farbe landete, bestimmte der Stoff.
© VG Bild-Kunst
Am meisten beeindruckt hat mich, wie die Ausstellung zeigt, woher seine Ideen kamen. Hantaï ist in Ungarn auf dem Land aufgewachsen. Die Schürze seiner Mutter wurde damals noch auf eine ganz besondere Weise gebügelt und trug ein feines Bügelmuster. Dieses Muster hat er Jahrzehnte später in seinen Bildern aufgegriffen. Die Ausstellung zeigt diese Schürze, und das Muster finden Sie in den Bildern wieder.
Seine Methode nannte er „Pliage", das französische Wort für Faltung. Er legte die Leinwand auf den Boden, faltete, zerknitterte oder verknotete sie und trug die Farbe auf. Manchmal half er mit dem Bügeleisen nach. Erst beim Auseinanderfalten zeigte sich das Bild: leuchtende Farbflächen, in denen Kontrolle und Zufall zusammenspielen. An jedem Bild sehen Sie, wie assoziativ er gearbeitet hat.
Der Rundgang:
von den ersten Pinselstrichen bis zu den Faltbildern
Der Rundgang führt durch vier Jahrzehnte: von frühen Bildern voller Pinselstriche und Zeichen über die ersten Faltbilder bis zu späten Werken, in denen ein Teil der Leinwand unbemalt bleibt
© VG Bild-Kunst
Die Werkgruppen im Überblick
Am Anfang stehen Hantaïs frühe Arbeiten aus den 1950er-Jahren. Damals setzte er sich mit der Malerei von Jackson Pollock auseinander, der seine Leinwände auf den Boden legte, statt sie an die Staffelei zu stellen. Diese Bilder sind dicht und gestisch, voller Striche und Zeichen.
Dann kommen die Faltbilder in ihren verschiedenen Formen. Die ersten nannte er „Mariales". Später plissierte er die Leinwand, statt sie zu falten. Es folgten Raster, die an Mosaike erinnern, und zuletzt Bilder mit großen unbemalten Flächen. Wenn Sie von Etage zu Etage gehen, sehen Sie, wie aus einer Idee immer neue Bilder entstehen.
© VG Bild-Kunst
Ich finde es immer wieder schön zu sehen, wie sich Künstler gegenseitig beeinflusst haben. Die Ausstellung zeigt, wie Hantaï sich mit Henri Matisse auseinandergesetzt hat und was er mit seiner eigenen Fantasie und Kreativität daraus gemacht hat.
Mein Tipp: Gehen Sie unter der Woche am Vormittag. Wenn die Morgensonne in die hellen Räume scheint, finde ich es dort unheimlich hübsch.
Muss man sich mit Kunst auskennen?
Johannes hat es sofort gesehen
Für die Hantaï-Ausstellung im Museum Frieder Burda braucht es kein Kunstwissen. Die Muster in den Bildern erkennt jeder, auch Kinder, schon auf den ersten Blick. Kinder von 6 bis 12 Jahren zahlen 2 € Eintritt und bekommen eine Malmappe.
Die Ausstellung zeigt die Verbindungen, und Sie verstehen sofort, worum es geht, schon bevor Sie die Hintergründe nachlesen. Die Muster hat mein Sohn auch sofort gesehen. Das regt selbst zum Kreativsein an, und die Gedanken schweifen.
Für Kinder gibt es eine kleine Malmappe, die sie mitbekommen. Mein Sohn liebt sie. Kinder bis 5 Jahre haben freien Eintritt, Jugendliche von 13 bis 17 Jahren zahlen 6 €.
Wer mit Kindern ab 6 Jahren selbst ausprobieren möchte, wie Hantaï gearbeitet hat: Das Museum bietet den Workshop „Falten und Drucken mit Stoff" an, am 27. Oktober 2026 und am 8. Januar 2027, jeweils von 10 bis 13 Uhr, für 25 €.
Was erwartet Sie bei „Bloom up!" in der Kunsthalle?
Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden zeigt bis zum 10. Januar 2027 „Bloom up! Die Sprache der Blumen": Blumen als Zeichen für Schönheit, Macht, Protest und Vergänglichkeit, aus rund 2.500 Jahren. Der Eintritt kostet 10 €, Kinder bis 8 Jahre sind frei.
Auch das ist eine sehr schöne Ausstellung. Zeitgenössische Kunst steht hier neben Objekten aus dem Badischen Landesmuseum.
Schon beim Hereinkommen fallen die großen Installationen auf. In der Halle hängen riesige Forsythien: Es waren die ersten Blumen, die sich das Künstlerpaar Petrit Halilaj und Álvaro Urbano geschenkt hat. Unter der Decke schwebt eine meterbreite Hibiskusblüte. Die Künstlerin Sissel Tolaas hat Sitzwürfel gestaltet, aus denen Blumenduft strömt. Sie können sich setzen und riechen.
Daneben zeigt Taryn Simon Blumengestecke von den Tischen, an denen Staatschefs wichtige Verträge unterzeichnet haben. Ein Stück Baden-Badener Geschichte ist eine Streitaxt von 1691, verziert mit Tulpen. Sie gehört zur sogenannten Türkenbeute des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden. Dazu kommen ein ägyptischer Sarg mit Kamillenblüten und bemalte Bauernschränke.
„Bloom up!" mit Kindern:
Familien-Mission und Bastel-Werkstatt
Bei „Bloom up!" in der Kunsthalle Baden-Baden führt die kostenlose App „Bloom" Familien mit einer Mission durch die Räume. Die Bastel-Werkstatt „Power Flower" öffnet am 8. November und 6. Dezember 2026, 14 bis 17 Uhr, kostenlos zum Eintritt.
Bei unserem Besuch haben wir nach dem Rundgang in der Werkstatt Blumen aus Krepppapier gebastelt und gemalt. Das war richtig schön, für Kinder genauso wie für Erwachsene.
Die Werkstatt ist für alle von 5 bis 99 Jahren gedacht, Sie müssen sich nicht anmelden. Das Thema wechselt von Termin zu Termin, und für Material kann eine kleine Gebühr anfallen.
Wie passen die beiden Ausstellungen zusammen?
Das Museum Frieder Burda und die Staatliche Kunsthalle liegen direkt nebeneinander an der Lichtentaler Allee, dazwischen das Café Kunsthalle. Ein Kunsttag: vormittags Hantaï im Burda, dann ein Kaffee, danach „Bloom up!" in der Kunsthalle.
Obwohl es zwei ganz unterschiedliche Ausstellungen sind, harmonieren sie besonders gut. Im Burda geht es um Farbe und um das Falten, nebenan um Blumen und um das, was Menschen mit ihnen ausdrücken. Ich würde mir daraus einen ganzen Kunsttag machen: morgens ins Museum Frieder Burda, dann einen Kaffee nebenan im Café der Kunsthalle, danach „Bloom up!".
Das Café ist ein schöner Ort, um das Gesehene noch etwas auf sich wirken zu lassen, bevor es weitergeht. Bei schönem Wetter sitzen Sie am besten draußen. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, wie die beiden Museen.
So ein Tag passt auch zu grauen Novembertagen: Sie gehen nur wenige Schritte von Haus zu Haus und verbringen den Tag zwischen Bildern, Blumen und Café.
Im Oktober können Sie den Kunsttag noch mit dem Dahliengarten am Ende der Lichtentaler Allee verbinden. Oder Sie lassen sich zuerst vom Garten inspirieren und gehen danach in die beiden Ausstellungen. Was Sie dort erwartet, lesen Sie in unserem Artikel über den Dahliengarten.
Tipps von Menschen, die hier wohnen
Einmal im Monat schicken wir Ihnen unseren Newsletter mit dem, was sich in Baden-Baden gerade lohnt: was neu aufgemacht hat, welcher Markt einen Besuch wert ist, wann es in der Therme ruhig ist. Dazu Neues und Angebote aus dem Haus.
Kunsttag & Aqua Aurelia: Der Weg beginnt vor unserer Tür
Zu Fuß ins Museum: Vom Aqua Aurelia bis zum Museum Frieder Burda sind es rund 18 Minuten zu Fuß, 1,3 Kilometer über die Sophienstraße und die Friedrichstraße, fast durchgehend flach. Ihr Auto bleibt in der Tiefgarage, und Sie sparen sich die Parkplatzsuche an der Lichtentaler Allee.
Ruhige Wochen im November: Bis Anfang November ist in Baden-Baden viel los, ab dem 26. November mit dem Weihnachtsmarkt wieder. Dazwischen, vor allem unter der Woche, ist es in der Stadt ruhiger, und bei uns sind die Preise dann am günstigsten.
Bis in den Advent: Beide Ausstellungen laufen bis zum 10. Januar 2027. Wenn Sie im Advent kommen, lässt sich der Kunsttag gut mit einem Abend auf dem Weihnachtsmarkt verbinden. Was Sie dort erwartet, lesen Sie in unserem Weihnachtsmarkt-Guide.
Gönnen Sie sich einen Tag für die Kunst
- Alles zu Fuß: Zwei Ausstellungen und ein Café, 18 Minuten von unserer Tür.
- Kunst, die auch Kinder erreicht: Malmappe im Burda, Familien-Mission und Bastel-Werkstatt in der Kunsthalle.
- Ruhigere Wochen: Im November unter der Woche ist die Stadt ruhiger und der Aufenthalt bei uns am günstigsten.
- Danach in die Therme: Durch unseren unterirdischen Gang sind Sie im Bademantel in der Caracalla Therme.
Um moderne Kunst zu verstehen, müssen Sie sie nicht studiert haben. Manchmal genügt die Schürze einer Mutter, und ein Kind erkennt das Muster sofort. Nehmen Sie sich einen Vormittag unter der Woche dafür, oder schauen Sie abends mit dem Feierabendticket vorbei. Wir freuen uns, wenn Sie Ihren Kunsttag bei uns beginnen.
Ihr Kunsttag beginnt bei uns.
Zwei Ausstellungen, ein Café, 18 Minuten zu Fuß.
Sagen Sie uns, wann Sie kommen und wer dabei ist.
Wir finden die Suite, die zu Ihnen passt.

